„Wenn der Name zum Programm wird“ –„TorTour de Ruhr 2010“ Horst Jasperneite
und Ralf Ruppert beim längsten Nonstoplauf Deutschlands über 230 km
Ihre Vorliebe für außergewöhnliche und extreme
Laufabenteuer haben die beiden Ultraspezialisten Horst Jasperneite
und Ralf Ruppert (beide LG Oelde/Wadersloh) in der
Vergangenheit schon oft unter Beweis gestellt. Ihr neuerlicher Streich jedoch,
die sog. „TorTour de Ruhr“ mutet nahezu unglaublich an und lässt selbst ambitionierte
Langstreckler zusammenzucken. Bei diesem Rennen handelt es sich um den längsten
Nonstoplauf Deutschlands welcher von der Quelle der Ruhr in Winterberg bis zur Mündung in den Rhein bei Duisburg
führt. Die Läufer folgen hierbei ausschließlich dem Ruhrtal-Radweg
über Arnsberg, Hagen bis ins Ruhrgebiet über Bochum, Essen, Oberhausen und
schließlich zum Ziel am Rheinorange in Duisburg. Wer bei diesem Einladungslauf
einen der ca. vierzig Startplätze erhält, kann sich mit Fug und Recht zu den
besten Ultraläufern Deutschlands zählen. Die Athleten sind im Durchschnitt 40
Stunden unterwegs wobei die Ausfallquote bei der letzten Austragung über
fünfzig Prozent betrug. „Vor dieser Aufgabe hatten wir einen Heidenrespekt,
aber wir wollten es unbedingt schaffen“ so die beiden über ihr Wettkampfziel.
Am Pfingstsamstag um acht Uhr morgens fiel der Startschuss für die Fünfeinhalbfache
Marathondistanz an der Ruhr-Quelle in Winterberg. Jeder Läufer hatte sich im
Vorfeld verpflichten müssen, eigene Betreuer zur Versorgung auf der Strecke zu
stellen. Neben den in Abständen von 20 bis 40 km eingerichteten offiziellen Verpflegungsstellen
hatte jeder Athlet selbst für seine Marschverpflegung zu sorgen. Diese Aufgabe
übernahmen Claudia Jasperneite und Petra Holtmann-Wibberich, die den beiden Extremsportlern mit dem
PKW hinterherfuhren bzw. sie streckenweise in Laufschuhen bzw. auf dem Fahrrad
begleiteten um den rechtzeitigen Nachschub von Nahrung, Getränken oder auch
Wechselkleidung zu garantieren. Vor allem die schlagartig angestiegenen
Temperaturen machten den Läufern zu schaffen und forderten ein angepasstes
Trinkverhalten. Neben der Hitze des Tages hatten sich die Extremsportler auch
auf die oft winterliche Witterung in den
Nachtstunden einzustellen. Handschuhe
und Mütze gehörten ebenso wie Stirnlampe und Leuchtweste zur unverzichtbaren
Pflichtausrüstung. Jasperneite und Ruppert spulten
den ersten Lauftag in gewohnter Manier routiniert und ohne größere Probleme ab.
Lediglich die oftmals dürftige Beschilderung oder auch Umleitungen durch Baustellen
führten manches Mal zu
Orientierungslosigkeit und forderten detektivisches Gespür um den
richtigen Weg wiederzufinden. „Wir haben uns so oft verlaufen dass mancher
Zusatzkilometer auf unserem Konto verbucht werden müsste“ so die Ultraspezies. Glücklicherweise
fiel das Thermometer in den Nachtstunden nicht allzu weit und auch Regen blieb
den Athleten erspart. Mit Anbruch des Pfingstsonntages liefen beide in ihren
zweiten Wettkampftag hinein und hatten mit zunehmender Laufzeit gegen
schmerzende Füße und schwere Beine anzukämpfen.
Auch Motivationsprobleme und Erschöpfungszustände galt
es in dieser Phase zu überwinden. Während gerade hier sehr viele Läufer
zermürbt das Handtuch warfen, spielten Jasperneite und
Ruppert ihre mentale Stärke voll aus und kämpften sich immer wieder nach vorn.
„Ab diesem Zeitpunkt läuft man nur noch mit dem Kopf“ so Jasperneite.
Trotz aller Strapazen und Anstrengungen sorgte die Kulisse und landschaftliche
Schönheit entlang der Ruhr für etwas Kurzweil auf der langen Reise. Ralf
Ruppert erreichte als erster der beiden nach 34:28 Stunden das Ziel am
Rheinorange und belegte damit einen hervorragenden 6. Platz im
Gesamtklassement. Horst Jasperneite beendet den Lauf
nach 39:27 Stunden und freute sich über einen 15. Gesamtplatz.